Für 2012 wurde es angekündigt und leider immer wieder verschoben. Mitte März war es dann soweit und das Spiel steht jetzt seit einigen Tagen in den Lagerregalen – Zeit für ein Review!
In Sniper Ghost Warrior 2 spielt man wie im Vorgänger einen Scharfschützen und übernimmt die typischen Aufgaben dieses Soldaten: Einheiten aus der Ferne bei ihrem Vorrücken unterstützen, auf eigene Faust ganze Feindbasen ausschalten, Geiseln retten und wichtige Zielpersonen eliminieren.
Da es nicht allzu viele Shooter mit solch einem Szenario gibt, hatte SGW2 also eine wirklich gute Ausgangsposition um ein richtig gutes Spiel auf den Markt zu bringen. Der Vorgänger war ja immerhin auch relativ gut und hat Spaß gemacht – Sollte also kein Problem sein einen würdigen Nachfolger zu entwickeln, oder?
Fangen wir also mal mit den überschaubaren positiven Fakten an:
Wirklich lobenswert ist, dass sich City Interactive der Kritik zum ersten Teil angenommen hat und das Spiel in der Hinsicht teilweise verbessert hat! Beispielsweise steuern wir jetzt einen Charakter mit einer gewissen Zeichnung und Namen “Anderson”. Ebenfalls hat man die Grafik aufgebessert und setzt jetzt auf die Cry Engine 3, die ebenfalls bei Crysis 3 benutzt wird. Wenn man jedoch beide Spiele vergleicht, fragt man sich ernsthaft, ob beide Titel im selben Jahr herausgekommen sind, oder ob Sniper Ghost Warrior 2 doch eher schon etwas älter ist. Kurz gesagt ist die Grafik also eher Mittelmaß.
Wie auch im Vorgänger kann das Gameplay so zur Hälfte überzeugen. Es macht echt Spaß, als Sniper herumzurennen und alles aus der Ferne niederzuschießen! Allerdings machen einem das höchst streng-lineare Leveldesign, die wirklich sau dumme, sowie vor allem launische KI und der allgemeine Schwierigkeitsgrad des Spieles echt zu schaffen. Und damit kommen wir schon zu den negativen Seiten des Spieles:
Wie gesagt, sind die Level streng linear und vergleichbar mit einem Korridor: Man kann auf der linken und der rechten Seite des Korridors entlang laufen, aber mal einen alternativen Weg, oder eine Abzweigung sucht man vergebens – Aber das ist ja sowieso eine Krankheit von fast allen modernen Shootern…
Weiter geht es mit der KI. Die ist mehr oder weniger minderbemittelt und ganz ernsthaft launisch. Wieso? Ganz einfach: Schießt man einen Gegner in den Kopf, während ein zweiter daneben steht, dann kann es zu zwei Szenarien kommen: 1. Dem zweiten Herr ist das herzlich egal oder 2. Das ganze Lager hat plötzlich den Einfall zu eurer 1 Kilometer entfernten, versteckten Scharfschützenposition zu kommen und euch zu vernichten. Zweiteres gilt übrigens immer, wenn ihr mit eurer Flinte an eurem Ziel vorbeischießt.
Wenn ihr dann aber mal entdeckt werden solltet und es zu einer Konfrontation kommt, macht das Spiel dann doch einiges richtig. Ihr seid sehr verwundbar, es gibt keine HP – Regeneration und ihr habt nur eine begrenzte Anzahl an Medipacks zur Verfügung. Finde ich persönlich klasse! Wie in alten Zeiten
Ein paar Sätze zu den drei Schwierigkeitsgraden:
Leicht ist ganz eindeutig zu einfach. Mittel allerdings auch. Auf Schwer wird die Zielhilfe ausgeblendet und damit ist es schon fast zu schwierig, weil jeder Schuss gleich beim ersten Mal sitzen muss, da ansonsten alle Feinde bei euch zu Besuch kommen und ihr niedergemetzelt werdet. Es wäre meiner Meinung nach viel intelligenter gewesen, die einzelnen Hilfen zu und abschaltbar zu machen. So könnte man zum Beispiel die Minimap, auf der wirklich immer alle Gegner markiert sind, ausblenden und so das Game insgesamt anspruchsvoller zu gestalten. Oder man würde die Markierungen über allen Feinden und dem nächsten – fast immer vorgegebenen Ziel – ausschalten. Schade um die vergebene Chance!
Ansonsten ist das Handling des Spielers und die der Waffen gleich geblieben, was auch wieder gut ist. Wind, Erdanziehungskraft und Zeit werden super mit einberechnet und man braucht schon ein ganzes Stück Übung, ehe man ohne Zielhilfe einen Schuss präzise absetzen kann! Auch die Soundkulisse ist dieses Mal recht gut gelungen. Schade wiederum ist, dass es wirklich wenige Waffen gibt und die stark unbalanced sind. (Ein Schuss mit eurer 9 mm tötet genau so beim ersten Mal, wie das Scharfschützengewehr)
Kommen wir zum Abschluss noch zur Aufmachung des Shooters. Darin beziehe ich die praktisch nicht vorhandene Story mit ein. Gut, es gibt zwar eine. Die ist aber so unwichtig und so egal, dass man sie in einem Monat wieder vergessen hat. Zwischen den Kämpfen gibt es manchmal schlecht gemachte Cuscenes, die nicht wirklich Lust auf die nächste Ballerei machen. Das Spiel besteht außerdem aus drei Akten mit jeweils drei etwas längeren Missionen. Allerdings ist die Spielzeit mit unter 5 Stunden eindeutig viel zu kurz! Löblich ist noch der vorhandene Coop – Modus, den ich bis jetzt noch nicht testen konnte. Der Multiplayer ist kaum eine Erwähnung wert, da es zu wenige Karten, Spielmodi und praktisch keine Server gibt.
Too long; didn’t read… Fazit:
Wenn man die beiden Sniper Spiele vergleicht, würde ich euch ganz klar den ersten Teil empfehlen. Dieser hat zwar ebenfalls einige größere Bugs und Aussetzer, ist aber nicht so zum “modernen Shooter” verkommen, wie das jetzige Game. Wenn ich dem Sequel jetzt eine Bewertung aussprechen müsste, dann könnte ich mich kaum entscheiden. Auf der einen Seite ist es ein wirklich schlecht umgesetztes Spiel, auf der anderen Seite bietet es verdammt gute Ansätze und macht auch einiges richtig.
Meine Empfehlung: Wenn euch der erste Teil Spaß gemacht hat (so wie mir), dann könnt ihr wirklich ernsthaft darüber nachdenken, das Game zu kaufen, oder zumindest bei einem Freund durchzuspielen. Wenn ihr noch nie mit der Reihe zutun habt, dann fangt beim ersten Ableger an – Der ist noch ein Stück besser und anspruchsvoller.
Sniper Ghost Warrior 2 bei Amazon